Das Spirit Prä- und
Postnatal Yoga
Programm

Patricia Thielemann
im Interview mit
Prof. Dorothea Tegethoff
und Christina Gröschel

Mit dem von ihr entwickelten Spirit Yoga Prä- und Postnatal Programm begleitet Patricia Thielemann Frauen bereits seit fünfzehn Jahren durch die Schwangerschaft und das erste halbe Jahr nach der Entbindung. Ihr Wissen gibt sie im Rahmen der Spirit Yoga Prä- und Postnatal Lehrausbildungen erfolgreich an Yogalehrerinnen weiter. Unterstützt wird sie dabei von der Professorin für Hebammenwissenschaft Prof. Dorothea Tegethoff, die mit ihrer Expertise die Hebammenthemen in der Ausbildung unterrichtet.

Im folgenden Interview sprechen Patricia Thielemann, Prof. Dorothea Tegethoff und die schwangere Spirit Yoga Prä- und Postnatal Yogalehrerin und Juristin Christina Gröschel darüber, welche positiven Wirkungen Yoga in der Schwangerschaft haben kann und wie die Praxis Frauen dabei hilft, die Geburt zu einem beseelten Erlebnis werden zu lassen.

Patricia Thielemann: Christina, du unterrichtest als Pränatal Yogalehrerin bei Spirit Yoga und bist aktuell selbst mit deinem dritten Kind schwanger. Was gefällt dir bei deiner Teilnahme an den Pränatal Yoga Kursen in unseren Studios besonders gut?

Christina Gröschel: Die Kurse ermöglichen den schwangeren Frauen im schnelllebigen Alltag Raum und Zeit für ihre Schwangerschaft zu finden. Sowohl geübte Yoginis als auch Anfängerinnen können eine stimmige Yogastunde erfahren – und glücklicherweise kann in den drei Spirit Yoga Studios in Berlin fast täglich praktiziert werden.  Spirit Yoga bietet den schwangeren Frauen ein wirklich tolles Konzept, das es ermöglicht, ein Yoga zu üben, welches auf Schwangere zugeschnitten ist. Einerseits erfahren die Teilnehmerinnen eine mentale Stärkung, indem sie eingeladen werden, auf sich und ihre Kraft zu vertrauen. Andererseits werden speziell für schwangere Frauen ausgewählte und abgewandelte Asanas geübt, sodass die sie ihren Kopf abschalten und in den gewohnten Flow einer Yogastunde kommen können.

Patricia Thielemann: Dorothea, Hebammen betreuen werdende Mütter ja nicht nur in der Schwangerschaft und in der Zeit des Wochenbettes, sondern sie sind auch bei den Geburten dabei. Wie begleitet eine Hebamme die schwangere Frau durch die Geburt hindurch und was sind ihre Aufgaben?

Prof. Dorothea Tegethoff: Die meisten Kinder in Deutschland kommen in Kliniken zur Welt. Wenn die Geburt sich ankündigt, muss die Frau selbst entscheiden, wann sie sich zuhause nicht mehr wohlfühlt und eine Klinik aufsuchen möchte. Dort wird sie von der diensthabenden Hebamme und meistens auch von einem Arzt oder einer Ärztin untersucht. Die Hebamme wird sie während der Geburt im Geburtszimmer betreuen. Ihre wichtigste Aufgabe ist es vor allem zu schauen, dass es Mutter und erwartetem Kind gut geht. Darüber hinaus unterstützt sie die Frau ganz praktisch und leitet sie an, damit sie möglichst gut mit den Wehen zurechtkommt. Hebammen arbeiten gesundheitsfördernd, sie stärken das, was positiv und hilfreich ist. Manchmal sieht es vielleicht so aus, als täte die Hebamme gar nichts, aber wir wissen, dass die bloße Anwesenheit einer kompetenten Person, welche die Frau in den Mittelpunkt stellt, eine positive Wirkung hat. Darum fordern Hebammen auch, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden, um eine Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt zu ermöglichen.

Patricia Thielemann: Ein Kind zu gebären geht ja nicht auf Knopfdruck. Wie kann es einer werdenden Mutter in einem durchgetakteten Klinikbetrieb gelingen loszulassen und sich den Raum zu nehmen, den sie und ihr Baby für die Geburt brauchen?

Prof. Dorothea Tegethoff: Für die Frauen ist das keine leichte Aufgabe und auch für die Hebammen ist es schwer auszuhalten, dass sie eben oft keine Eins-zu-eins-Betreuung leisten können, sondern die Verantwortung für mehrere Frauen gleichzeitig haben.

Spirit Yoga Prä- und Postnatal Yoga: Yoga für Schwangere und Mütter mit Baby in Berlin

Prof. Dorothea Tegethoff

Patricia Thielemann: Ich glaube, dass viele Frauen, die ein Kind erwarten, dies gar nicht wissen. Die Geburtsstationen in den Kliniken sehen doch heutzutage meistens sehr einladend aus.

Prof. Dorothea Tegethoff: Ja, das stimmt. Wenn man auf die Internetseiten der Kliniken schaut, dann sieht alles sehr freundlich aus. Auch bei den Informationsabenden wird natürlich nicht von Personalknappheit und verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen gesprochen, sondern von Wassergeburt und gedimmtem Licht im Kreißsaal. Tatsächlich ist es leider so, dass die Ökonomie in der Gesundheitsvorsorge eine große Rolle spielt und eine Geburtsstation den Bedingungen eines durchgetakteten Klinikbetriebes angepasst wird. Dazu kommt, dass die Geburtenzahl in Berlin in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist, gleichzeitig aber keine zusätzlichen räumlichen und personellen Kapazitäten geschaffen wurden. Erst als es ganz dramatisch wurde, ist ein „Runder Tisch Geburtshilfe“ von der Senatsverwaltung ins Leben gerufen worden. Als Ergebnis dieser Initiative werden jetzt mehr Hebammen in Berlin ausgebildet. Diese kann man aber auch nicht zwingen unter den gegebenen Bedingungen in den Kreissälen zu arbeiten. Es wurden auch Mittel zum Ausbau der Kreissäle bereitgestellt. Bauvorhaben brauchen aber auch ihre Zeit.

Patricia Thielemann: Wenn die Rahmenbedingungen so sind wie sie sind, was kann eine schwangere Frau dann selber tun, damit die Geburt für sie und ihr Baby unabhängig von den äußeren Umständen zu einem beseelten Erlebnis wird?

Prof. Dorothea Tegethoff: Ich rate jedem Paar oder jeder Frau beim Informationsabend in der Klinik die richtigen Fragen zu stellen: Wie viele Hebammen sind tatsächlich im Dienst? Was passiert in dieser Klinik, wenn die diensthabende Hebamme schon zwei Frauen betreut und die dritte Schwangere klingelt an der Kreissaaltür? Aber mal ganz abgesehen davon: Was kann die Frau für sich selbst tun? Da gibt es kein einfaches Ursache-Wirkungs-Rezept nach dem Motto: „Wenn ich in der Schwangerschaft dies und das tue, dann wird die Geburt gut.“ Da muss man vorsichtig sein. Nach meiner Erfahrung haben es die Frauen leichter, die mit viel Gelassenheit und Offenheit für das, was ihnen bevorsteht in die Geburt hinein gehen. Das ist bei der heute üblichen risikoorientierten Schwangerschaftsvorsorge, bei der auf einmal zwei von drei Frauen als sogenannte Risikoschwangere dastehen, nicht so einfach. Die Überzeugung das Kind gebären zu können ist wichtig. Dazu gibt es Studien die zeigen, dass Frauen mit dieser Überzeugung z. B. weniger Schmerzmittel benötigen. Yoga kann durchaus dabei helfen, den eigenen Körper zu kennen und ihm zu vertrauen.

Patricia Thielemann: Ich unterrichte seit fast zwanzig Jahren Pränatal Yoga und wenn ich meine Teilnehmerinnen nach ihren Geburten frage und danach, was sie für sich aus dem Pränatal Yoga mitgenommen haben, dann sagen die frisch gebackenen Mütter häufig, dass sie mehr in ihre eigene Kraft finden konnten, was ihnen Zuversicht für die Geburt gegeben hat. Auch persönlich kann ich dies durch die Geburten meiner eigenen Kinder bestätigen. Als ich relativ spät, mit achtunddreißig und einundvierzig Jahren, meine beiden Söhne bekam, war ich recht besorgt, konnte und wollte es auch nicht lassen mich mehrfach über mögliche Risiken und Negativszenarien im Internet zu informieren. Dank Yoga ist es mir während der Geburten trotzdem recht gut gelungen, mich nicht von meiner Angst übermannen zu lassen, sondern immer wieder gerade in den Momenten des Zweifels und der Erschöpfung zurück zu mir und zu meinem Atem zu finden.

Ich bin übrigens auch völlig damit im Reinen meine beiden Kinder in einer größeren Klinik zur Welt gebracht zu haben. Ich wurde dort sehr gut von erfahrene Hebammen und freundlichen Ärztinnen betreut. Es hat mich beruhigt zu wissen, dass man mir und den Kindern dort in der Not gut und schnell hätte helfen können.
Bei aller Unterstützung war ich mir aber auch bewusst, dass es nicht Aufgabe des Klinikpersonals ist, sondern vor allem in meiner Verantwortung und vielleicht noch ein Stück in der meines Partners liegt, dass die Geburten nicht nur ein körperliches Unterfangen, sondern ein beseeltes Erlebnis werden.

Prof. Dorothea Tegethoff: Da sagst du viele wichtige Dinge. Jede Frau sollte an dem Ort gebären, wo sie sich am sichersten fühlt – in einer Klinik, einem Geburtshaus oder auch daheim. Zum Glück ist das Kinderkriegen hierzulande und heutzutage für Mutter und Kind so sicher wie noch nie, sodass die Frau bei der Wahl des Geburtsortes ihrem persönlichen Gefühl folgen kann, wenn keine besonderen Umstände vorliegen.
Bei den Geburten meiner eigenen drei Kinder fand ich es gut, dass ich die berufliche Verantwortung ganz an die Kolleginnen abgeben und mich auf mich selbst, meinen Mann und meine Kinder konzentrieren konnte. Aber ich stimme dir zu, die Frauen bekommen die Kinder, Hebammen, Ärzte und Ärztinnen sind behilflich, sie können es ihnen aber nicht komplett abnehmen. Selbst bei einem Kaiserschnitt übernimmt die Medizin ja nur einen kleinen Ausschnitt in dem Prozess der Entstehung einer Familie.

Und da sind wir bei dem beseelten Erlebnis von dem du sprichst. Es ist für alle Beteiligten wichtig, dass dieses großartige Ereignis – ein Kind kommt zur Welt und aus einem Paar werden Eltern – nicht hinter der medizinischen Routine verschwindet. Wenn es im medizinischen Sinne schwierig wird hoffe ich, dass die Frau an einem Ort und bei Menschen ist, denen sie sich aus vollem Herzen anvertrauen kann. Dann kann sie selbst bei dem Gedanken bleiben: „Hier sorgen kompetente Mensch für mich, die mein Wohl im Blick haben und ich kann mich auf das Wichtigste konzentrieren: Mein Kind kommt jetzt zur Welt.“

Patricia Thielemann: Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller riesiger Veränderungen und niemand kann einem voraussagen, wie die Geburt, das Wochenbett und das Leben mit dem Neugeborenen sein werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die werdende Mutter die Kraft, ein Kind zu gebären und zu nähren, in sich selber findet. Wenn die werdende Mutter sich selbst halten kann, dann ist sie auch in der Lage sich auf die großen, manchmal schmerzhaften Veränderungen des Lebens, zu denen die Geburt ja definitiv gehört, auch einlassen zu können.

Spirit Yoga Prä- und Postnatal Yoga: Yoga für Schwangere und Mütter mit Baby in Berlin

Patricia Thielemann

Christina Gröschel: Das halte ich für einen ganz wesentlichen Aspekt. Deshalb werden die Frauen in den Kursen nicht in Watte gepackt, sondern erleben eine an die Schwangerschaft angepasste, aber dennoch anspruchsvolle Praxis. Gleichwohl wird ihnen das Selbstverständnis vermittelt, dass sie mutig und selbstbestimmt auf die bevorstehende Zeit blicken dürfen und dass das, was sie brauchen, um die Neuerungen ihres Lebens durchlaufen zu können, bereits in ihnen steckt. Während der Schwangerschaft und der Geburt braucht es mehr als unseren Verstand, dessen wir uns normalerweise im Alltag bedienen. Es braucht vor allem ein gutes Körpergefühl und ein Gefühl für das Baby.

Darüber hinaus wird in den Kursen nicht aus den Augen gelassen, dass die schwangeren Frauen nach der Geburt zwar viel liegen und ruhen dürfen, dennoch – und das gilt ganz besonders für Mütter, die bereits ein Kind oder mehrere Kinder haben – in der Regel zügig zu ihrer ganzen Kraft zurückfinden müssen. Deshalb helfen wir den Frauen bereits in den Pränatalkursen ihre Beine und Arme zu kräftigen und steuern in Maßen auch den Beckenboden an, um die Frauen zu befähigen nach der Geburt schneller in ihre volle Stärke zurückzufinden.

Patricia Thielemann: Ja, das ist die Intention dahinter – die Frauen zu befähigen und in ihre Kraft zu führen. Das kann aber nur gelingen, wenn die Übungen das rechte Maß an Intensität haben und auch die Anleitung auf den Punkt ist. Es geht nicht um irgendwelche Turn- oder allgemein anstrengende Yoga-Übungen, denn die wären in der Schwangerschaft, die ja ohnehin schon kräftezehrend ist, völlig verkehrt. Vielmehr geht es darum, die werdenden Mütter durch gezielte Übungen in ihrem Körper zu verankern und dafür zu sorgen, dass sie bei sich selbst ankommen können. Wenn die Frauen bei der Geburt wirklich bei sich sind, dann sind sie auch in der Lage, bewusst mit den Wehen zu atmen und zu spüren, was ihr Körper im jeweiligen Moment braucht.

Spirit Yoga Prä- und Postnatal Yoga: Yoga für Schwangere und Mütter mit Baby in Berlin

Christina Gröschel

Christina Gröschel: Aber es geht bei der Geburt nicht nur um Kraft, sondern auch um die Fähigkeit loslassen zu können. Nur mit Kraft, kann ein Kind nicht geboren werden, es bedarf auch eines Vertrauens auf den natürlichen Prozess und darauf, dass das Kind seinen Weg findet, dass die Menschen um einen herum wissen, was sie tun und ich mich als Frau komplett einlassen kann. Vielleicht gehört sogar dazu zuzulassen, dass die Geburt ganz anders verläuft als gedacht und erhofft. So häufig spricht man mit Frauen, die sich nach der Geburt schlecht fühlen, weil sie eine PDA in Anspruch genommen haben oder das Kind schließlich per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist. Auch da bedarf es einer gewissen Form des Loslassens – insbesondere ein Loslassen der eigenen Ideale.

Patricia Thielemann: Da hast du absolut Recht, ohne die Fähigkeit loslassen zu können geht es nicht – nur handelt es sich dabei um ein gezieltes Loslassen.
Mir ist die Aufforderung „loszulassen“ häufig zu allgemein. Alles soll man immer einfach loslassen, aber wie soll das gehen, wenn man dabei nicht genügend Halt in sich selbst findet oder es einem vielleicht an Vertrauen dafür mangelt?

Christina Gröschel: Ich stimme dir zu: Es soll nicht ein Loslassen im Sinne eines Kollabierens sondern ein Loslassen im Sinne eines Vertrauens auf den natürlichen Verlauf sein. Und genau da unterstützen die Pränatalkurse, in denen ermöglicht wird, dass die Frauen Vertrauen fassen. Vertrauen in sich selbst, in die Schwangerschaft als solche, Vertrauen in ihr Kind und dass es seinen Weg finden wird. Und nicht zuletzt, Vertrauen in die eigene körperliche Kraft, die wir in den Kursen bewusst stärken.

Prof. Dorothea Tegethoff: Vielleicht ist Yoga gerade deshalb gut, weil es sowohl die körperliche, als auch die mentale und die seelische Seite anspricht. Auf körperlicher Ebene kann es hilfreich sein, wenn eine Frau ein gutes Gefühl für ihren Beckenboden hat, wobei Yoga helfen kann. Zudem vermittelt die Yogapraxis eine innere Ruhe, die durch die aufregende Zeit rund um die Geburt hindurch hilft.

Patricia Thielemann: Ja, so ist es. Die werdenden Mütter haben die Möglichkeit neue Kraft aufzutanken. Durch gezielte Übungen können sie den lästigen Begleiterscheinungen entgegenwirken und lernen, in ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und vor allem die Schwangerschaft und die Geburt ganz bewusst zu erleben. Ein Kind in sich heranreifen zu lassen und zu gebären ist und bleibt ein Wunder! Im Spirit Pränatal Yoga wird über die physischen Yoga Übungen hinaus auch eine Haltung der Liebe und Zuversicht kultiviert. Dieses so beherzte Ja zum Leben ist ein großes Geschenk, das die werdende Mutter ihrem Kind in die Wiege legen kann.